Hauptseite > Meldung, komplett

Religiöse Vorurteile erhöhen das Selbstmordrisiko

(Kommentare: 0)

Foto: Jared Keener

Fast 3000 homosexuelle, bisexuelle und Transgender-Jugendliche haben sich an einer Online-Studie beteiligt, die Konflikte zwischen ihrer Sexualität und ihrer Religion, internalisierte Homophobie und Suizidgedanken erfasste.

 

In den Ergebnissen zeigte sich, dass Jugendliche, die starke religiöse Konflikte wegen ihrer sexuellen Orientierung erleben, mehr zu Selbstmordgedanken, auch zu chronischen Suizidgedanken, neigen. Dieser Zusammenhang zwischen erlebtem religiösem Konflikt und Suizidalität wurde teilweise verursacht durch eine internalisierte Homophobie, die offenbar durch religiöse Konflikte entsteht. Internalisierte Homphobie meint die Ablehnung der eigenen Sexualität, aus der sich aufgrund der Stabilität der sexuellen Orientierung eine generalisierte Selbstabwertung entwickeln kann. Selbstwertdefizite sind dabei ein maßgeblicher Risikofaktor für suizidales Verhalten.

 

Religiöse Konflikte können demnach zu einer Selbstablehnung homosexuellen Verhaltens führen und dadurch Suizidalität fördern, wobei es zusätzlich aber auch eine direktere Verbindung zwischen erlebtem religiösem Konflikt und Suizidalität gibt, die nicht über internalisierte Homophobie vermittelt wird. Allein die erlebte Ablehnung durch andere kann insofern bereits zu Suizidgedanken führen, selbst wenn die Ablehnung nicht internalisiert wird. 

 

Die Befunde sind bemerkenswert, weil grundsätzlich die Religionen der Jugendlichen Suizid als Ausweg ablehnten. Dennoch führte der erlebte Konflikt zwischen religiöser Überzeugung und eigener sexueller Orientierung zu einer so hohen innerpsychischen Belastung, dass Suizidgedanken resultierten.

 

Vertreter der Religionen sollten sich klar machen, dass sie mit Verurteilungen von sexuellen Orientierungen das Suizidrisiko junger Menschen fördern können.

 

An der Studie ist zu kritisieren, dass homosexuelle, bisexuelle und transsexuelle Menschen zusammengeworfen wurden, aber nur eine Skala zur internalisierten Homophobie eingeschlossen wurde, während Skalen zur internalisierten Bi-Phobie und Trans-Phobie fehlten. Dies setzt einen Trend fort, insbesondere die spezifischen Belange bisexueller, aber auch transsexueller Personen zu ignorieren.

Zurück

Einen Kommentar schreiben