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Ausschluss Bisexueller beim Online-Dating bleibt skandalös

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San Francisco Pride 2011 (Foto: Marilyn Roxie)

Das Bestehen einer erfüllten Partnerschaft ist einer der wichtigsten Faktoren der individuellen Lebenszufriedenheit. Entsprechend boomt nach wie vor der Markt der Online-Partnervermittlungen.



Für nahezu alle größeren und kleineren Partnerbörsen im Internet ist es dabei eine Selbstverständlichkeit, nicht nur heterosexuelle, sondern auch homosexuelle Mitglieder bei ihrer Partnersuche zu unterstützen. Ganz anders ergeht es aber Bisexuellen. Bisexuelle Männer und Frauen werden derzeit von allen größeren und ebenfalls von nahezu allen kleineren Partnerbörsen quasi ausgeschlossen. Denn als Mann oder Frau ist es bei fast allen Partnerbörsen lediglich möglich, entweder nach einem Mann oder nach einer Frau zu suchen. Nicht möglich ist es aber, die Suche auf Vertreter beider Geschlechter als potentielle Partnerschafts-Kandidaten zu erweitern.



Damit wird aber Bisexualität als dritte große sexuelle Orientierung des Menschen beim Online-Dating ausgeblendet, beklagt Diplom-Psychologe Dr. Guido F. Gebauer von der psychologischen Partnervermittlung www.Gleichklang.de, die als einer der ganz wenigen Anbieter seit ihrer Gründung 2006 eine bisexuelle Suche ermöglicht. Die Ignoranz gegenüber bisexuellen Singles durch die anderen Partnerbörsen hält Dr. Gebauer für eine eindeutige Diskriminierung, die gleichzeitig deutlich mache, wie sehr auch die Gesellschaft im Allgemeinen nach wie vor Bisexuelle und ihre Belange ignoriere. Nur so sei es zu erklären, dass der Aufschrei gegen die Diskriminierung bisexueller Männer und Frauen durch nahezu alle Anbieter auf dem Dating-Markt bisher völlig fehle. Bei Homosexuellen könnte sich eine solche Diskriminierung ohne negative Presseberichte und Proteste wohl kein größerer Anbieter mehr leisten, meint Dr. Gebauer. Bisexuelle verfügten demgegenüber über keine ausreichend Lobby in Politik und Gesellschaft, so dass ihre Diskriminierung auf dem Dating-Markt weitgehend kommentarlos hingenommen werde.



Die Ignorenz gegenüber den Belangen bisexuelle Singles durch die Partnervermittlungen im Internet spiegelt nach Ansicht von Dr. Gebauer das Grundproblem der weitgehenden Unsichtbarkeit bisexueller Lebensweisen in der Gesellschaft wieder. Diese mangelnde Sichtbarkeit bisexueller Lebensweise in der Gesellschaft leiste anhaltender Diskriminierung Vorschub. Dabei zeige eine zunehmende Anzahl wissenschaftlicher Studien, dass die seelische Gesundheit bisexueller Männer und Frauen durch gesellschaftliche Diskriminierung beschädigt werde. Bisexuelle Männer und Frauen seien daher auch nach vorliegenden Forschungsbefunden deutlich häufiger von psychischen Problemen und seelischen Erkrankungen betroffen als heterosexuelle oder homosexuelle Männer und Frauen.



Dr. Gebauer sieht alle Partnervermittlungen und Singlebörsen in der Pflicht, auch bisexuelle Singles bei ihrer Partnersuche zu unterstützen. Umso bedauerlicher sei es, dass der Zustand der Ausblendung von Bisexualität im Bereich der Online-Partnervermittlungen weiterhin andauere. Auch wenn Gleichklang durch dies Verhalten seiner Konkurrenten sich in gewisser Weise einer Monopolstellung bei der Vermittlung Bisexueller erfreue, wäre doch eine rasche Änderung im Sinne einer Beendigung der Diskriminierung bisexueller Singles durch Online-Partnerbörsen wünschenswert und erforderlich. Gleichklang werde - wie auch bisher - die Entwicklung bei den anderen Dating-Anbietern regelmäßig überprüfen und über die Thematik berichten, auch um einen eigenen Beitrag für eine erforderliche gesellschaftliche Sensitivierung und eine bessere Sichtbarkeit der Bisexualität in der Gesellschafdt zu leisten.

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